Düstere Filme sind immer wieder ein Anziehungspunkt für mich. Stieg Larsson ist mir vom Namen her bekannt, jedoch habe ich meine Krimi-Lesephase auf Chandler und Doyle reduziert. Aber der erste Teil der sogenannten ‘Millenium-Trilogie’ hatte im Vorfeld eine Menge Lob bekommen. Mit den skandinavischen Filmen ist es wie mit Gourmetkost und einem Hausmannsgericht. Manchmal hat man einfach Appetit auf natürliches, deftig gewürztes Essen ohne Geschmacksverstärker und optischen Raffinessen. Dem wurde ‘Verblendung’ absolut gerecht. Michael Nyqvist als Mikael Blomqvist überzeugt. Aber Noomi Rapace als Lisbeth Salander überragt! Mit ihr wurde eine kantige Figur geschaffen, bei der man zwischen Sympathie und Zweifel, Mitleid und Abscheu schwankt. Eine kettenrauchende Punkerin, deren Kindheit nur angedeutet wird. Sie ist ganz klar die tragende Figur der Story.
Die karge Winterlandschaft, die spröden Figuren und eine Handlung, die in die schlimmsten Abgründe menschlicher Phantasien führt, runden das Bild ab. Der Film ist mit 153 Minuten recht lang und gerade die letzte halbe Stunde, die Szenen nach dem Autounfall, erinnern mich ein wenig an ‘HdR’. Auch hier dachte man, nach dem Fall Mordors wäre alles vorbei. Pustekuchen! Da musste dann noch ein Wurmfortsatz eingebaut werden. Ich finde das überflüssig, da es zwar ein Happy End herbeiführte, aber der eigentlichen Handlung keinen neuen Anstoss mehr gab. Egal! Im Frühjahr kommt der nächste Teil und ich finde es ziemlich blöd, dass Herr Larrson abdankte, bevor er alle zehn Bände beenden konnte.
